Hinter der Natur

Verein für Philosophie und Naturwissenschaft e.V.

Eine Tagung

...fand am 11. Juni 2016, von 9.30 bis 18.30 Uhr statt.

Frankfurt am Main, Goethe Universität - Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz. (Ehemals Grüneburgplatz/Fürstenberger Straße)

Raum 411 EG Hauptgebäude („Poelzigbau“)

Am 7. September 1944 schrieb Albert Einstein an seinen Freund Max Born: “In unserer wissenschaftlichen Erwartung haben wir uns zu Antipoden entwickelt. Du glaubst an den würfelnden Gott und ich an die volle Gesetzlichkeit in einer Welt von etwas objektiv Seiendem …“. Unsere Tagung möchte sich in Vorträgen, Streitgesprächen und Diskussionen mit dem berühmt-berüchtigten Gegensatz von „Zufall und Notwendigkeit“ befassen, der auch heute noch unter Wissenschaftlern, Philosophen und interessierten Laien über den Bereich der Quantentheorie hinaus heftige Debatten auslöst.

Das Konzept des Zufalls spielt in den modernen naturwissenschaftlichen Disziplinen eine zunehmend zentrale Rolle, etwa bei der Entstehung der Welt – neuer Strukturen im Universum, der Entstehung des Universums überhaupt, der Geburt des Lebens, neuer Arten … Der Begriff „Zufall“ nimmt in einer weiten Ausdifferenzierung ganz verschiedene Bedeutungstönungen an: kontingent, regellos, ursachlos, ohne Zweck etc. Heißt den Zufall verstehen auch die Welt verstehen? Konstitutiv für die Welt sind beide: Zufall und Notwendigkeit, Kontingenz und Gesetz. Verschärft sich in künftigen vereinheitlichten Theorien der Physik und Kosmologie die Rolle des Zufalls, wie es die Strahlung Schwarzer Löcher zu zeigen scheint? („Die Teilchenemission aus Schwarzen Löchern scheint den Schluss nahe zu legen, dass Gott nicht nur manchmal würfelt, sondern die Würfel gelegentlich an einen Ort wirft, wo man sie nicht sehen kann.“ (Stephen Hawking) ). Auch in der Biologie: Arten sind nicht konstant, sondern entstehen und vergehen – kann das nicht auch für Naturgesetze selbst gelten? Ist die Notwendigkeit – zufällig? Ist der Kosmos ein Produkt des Zufalls? Würde ein „allwissender Geist“ den Verlauf der Welt vollständig vorher sehen? Verbirgt sich eine Einheit in der Vielfalt der Bedeutungen von „Zufall und Notwendigkeit“? Das Postulat des antiken Atomisten Leukipp “Nichts ereignet sich bloß zufällig, sondern alles geschieht mit Grund und aus Notwendigkeit“, das bis in unsere Gegenwart doch zu gelten schien, wird es schließlich radikal durchbrochen? Wartet auf dem Grund der Natur vielleicht die irreduzible Zufälligkeit?

Spannende Fragen …!

Die Tagung hat dieses konzeptuelle Konzert einzelwissenschaftlich und philosophisch auf die Bühne gebracht und kommentiert. Ihr Format bestand aus Vorträgen (plus Diskussion) sowie einem interdisziplinärem Podium, jeweils mit intensiver Publikumsbeteiligung. Auf dem Podium wurden die Inhalte der Vorträge / Diskussionen interpretatorisch vertieft und erweitert. Es ging dabei um den Stellenwert des Anthropischen Prinzips, um evolutive Mechanismen sowie Fundamente der Selbstorganisation, um die Viele-Welten-Interpretation der Quantentheorie und um Konzeptionen von Entstehung/Schöpfung des Universums aus dem „Nichts“. Außerdem bestand die Gelegenheit, sich mit den Experten auszutauschen und sie zu befragen.

Tagungsablauf

Samstag, der 11. Juni 2016

9:30 Begrüßung und kurze Einführung in das Thema
10.00 "Vom Urgrund der Welt zu den Grenzen der Vernunft“
(Vortrag von Rüdiger Vaas, Stuttgart)
Diskussion
11.15 Kaffepause
11.45 „Quantengravitation und Zufall“
(Vortrag von Claus Kiefer, Köln)
Diskussion
12.45 Mittagspause/Imbiss
13.45 Näheres über die Veranstalter - und kurze Kaffeepause
14.00 „Zufallsmanagement in der Evolution der Organismen“
(Vortrag von Thomas Junker, Tübingen)
Diskussion
15.15 "Sind unsere scheinbar notwendigen Begriffssysteme zufällig?“
(Vortrag von Dr. Peter Eisenhardt, Frankfurt)
Diskussion
Kaffeepause
16.45 „Anfangsbedingung Ursprung Schöpfung Gesetzlichkeit“
(Podiumsdiskussion mit Einbezug des Publikums; auf dem Podium: Peter Eisenhardt (Moderation), Thomas Junker (Biologie), Claus Kiefer (Physik), Wolfgang Platen (Hinter der Natur e.V.), Karsten Schmidt (Religionswissenschaft), Rüdiger Vaas (Philosophie/Kosmologie))
18.30 Schlussworte / Ende der Tagung